Idylle am Seeufer
Der Ort lag nicht immer am See. Erst in den
50er Jahren der vorigen Jahrhunderts wurde die 65 Meter hohe begrünte Staumauer erbaut. Acht uralte Höfe, die auf dieser ehemals größten Ackerfläche des Tales standen, versanken in den Fluten: Sie mussten weichen. Im Frühjahr bei niedrigem Wasserstand ragt heute noch der
Turm der einstigen Kapelle aus dem sandigen Seeuntergrund. Im Sommer und im Herbst bietet der See ein viel bewundertes Naturschauspiel mit der Spiegelung der Dreitausender in allen Farbfacetten: Vom herrlichen Weiß der verschneiten Berggipfel bis hin zum satten, fast unnatürlich wirkenden Smaragdgrün des Wassers. Die Wandermöglichkeiten sind vielfältig: Ein bequemer
Weg rund um den farbenprächtigen See oder der Höhenweg nach Kurzras mit seinen über
700 Jahre alten Höfen, die alle zur Jause einladen. Der Finailhof (1952 m) war einst der höchstgelegene Kornhof Europas, denn bis ca. 1950 wurde im Tal Getreide angebaut. Wer Ausdauer und Bergerfahrung hat, kann auf den Spuren von
Ötzi wandeln: Von Vernagt aus führt ein „Archäologischer Wanderweg“ durch das Tisental mit vielen uralten Spuren, z.B. Schalensteinen, hinauf auf die
Similaunhütte (3000 m) und weiter zur
Fundstelle des „Mannes aus dem Eis“. Zweimal im Jahr dreht sich in Vernagt alles um Schafe: Seit Jahrhunderten werden Mitte Juni Schafe über den Alpenhauptkamm ins Ötztal getrieben. Mitte September
kommt der lange Zug von mehreren tausend Schafen zurück, was ausgiebig gefeiert wird.