Der Schnalstaler Gletscher, Hochjochferner genannt, liegt zwischen dem Südtiroler Schnalstal und dem österreichischem Venter Tal in den Ötztaler Alpen. Er ist 185 Hektar groß und über drei Kilometer lang. Etwa ein 1/6 der Fläche dient als Skigebiet. Glaziologen beobachten auch am Hochjochferner einen Rückgang der Eismassen. Die Rückzüge der Gletscherzunge sind allerdings weniger stark ausgeprägt, als bei anderen zentralalpinen Gletschern.

Am Schnalstaler Gletscher fand das Bergsteigerpaar Simon am 19. September 1991 die Gletschermumie Ötzi. Der Eismann ruhte, mitsamt seiner Ausrüstung, einem Kupferbeil und Lederschuhen, 5.300 Jahre lang im Eis. Der Fund unterhalb des Similaun am Tisenjoch gilt als Meilenstein für die Erforschung der Jungsteinzeit. Er belegt, dass die Alpenpässe am Schnalstaler Gletscher bereits in der Frühzeit die Kulturkreise im Alpenraum verbanden. Das Aktivmuseum ArcheoPark Schnals bildet den Lebensraum von Ötzi auf einem großen Freigelände nach. Auf der Ötzi Glacier Tour wandern Bergsteiger auf den Spuren des Eismannes bis zur Fundstelle am Tisenjoch.

Der Fund von Ötzi belegt die Jahrtausende alte Bedeutung des Schnalstals als Durchzugstal. Noch heute halten die Einwohner des Tals an der Tradition des Alpenübergangs fest. Wie schon vor hunderten von Jahren treiben die Hirten aus dem Schnalstal Mitte Juni tausende Schafe und Ziegen über das Hoch- und Niederjoch zu den Sommerweiden im österreichischen Venter Tal. Mitte September kehren Hirten und Tiere wieder zurück ins Schnalstal. Der Almauftrieb und -abtrieb wird mit einem Fest in den Ortschaften Kurzras und Vernagt begangen. Der Schafübertrieb am Schnalstaler Gletscher, auch Transhumanz genannt, ist Teil des Nationale UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich.